Marianne Dumermuth: „Eine Gesamtbetrachtung unserer Stadt ist unerlässlich“

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In den nächsten fünf Jahren packt die Stadt Thun ein Grossprojekt an, das alle betrifft, die in Thun wohnen und arbeiten: Die Überarbeitung der Ortsplanung. Nur wenn Klarheit darüber besteht, wo was wie gebaut, erschlossen und betrieben wird, kann die Stadt sich den Anforderungen der Zukunft stellen. Gemeinderätin Marianne Dumermuth sagt, weshalb die Ortsplanungsrevision so wichtig ist für Thun. Interview: Jürg Alder

Marianne Dumermuth, 3,35 Mio. Franken sind eine Stange Geld. Was erhalten Thunerinnen und Thuner konkret dafür?

Auch die Stadt Thun wächst – wie fast alle Städte in der Schweiz. Wenn wir sicherstellen wollen, dass die Entwicklung der Stadt baulich, wirtschaftlich und gesellschaftlich optimal verläuft, müssen wir – zusammen mit der Bevölkerung – die Versorgungsstruktur der einzelnen Quartiere, Flächen für Gewerbebetreibende und Wohnraum für Familien auch längerfristig vorsehen. Wir wollen die räumliche Entwicklung sorgfältig planen. Der nun bewilligte Betrag wird für die zusätzlichen personellen Aufwände der Stadtverwaltung sowie für Aufträge an Dritte während fünf Jahren verwendet. Diese Investition lohnt sich: Wir wollen die vielen Qualitäten der Stadt erhalten und fördern. Dazu gehören die einmalige Lage am See in nächster Nähe zu den Bergen, verschiedenste Naherholungsgebiete, der Schlossberg mitten im historischen Zentrum, ein attraktives Kulturleben. Thun ist freundlich und überschaubar – und das soll es auch bleiben.

Insgesamt fünf Jahre soll der Prozess der Ortsplanungsrevision dauern. Weshalb so lange?

In der Ortsplanungsrevision werden unter fünf thematischen Schwerpunkten 19 Teilprojekte bearbeitet, die vielfältige Abhängigkeiten zueinander aufweisen. Wenn wir z.B. in einem Gebiet eine höhere Ausnutzung ermöglichen wollen, kommen wir nicht umhin, uns auch Fragen zum Stadtbild, zur Siedlungsentwicklung nach innen, zur Erschliessung, zum Verkehrsaufkommen, der Energieversorgung oder Gestaltung der Freiräume zu stellen. Es ist unerlässlich, eine Gesamtbetrachtung unserer Stadt vorzunehmen. Dazu müssen zuerst Grundlagen erarbeitet werden, die schliesslich in ein neues Baureglement und Zonenplan münden. Wir wollen die Bevölkerung schon in den Erarbeitungsprozess mit einbeziehen. All das benötigt seine Zeit.

Inwiefern betrifft die Ortsplanungsrevision mich als Einwohnerin oder Einwohner der Stadt Thun direkt?

Stadtplanung betrifft uns alle Tag für Tag. Die Bauordnung legt fest, wo wir arbeiten, wohnen, zur Schule gehen, Sport treiben, uns erholen, einkaufen, wie wir von A nach B kommen und vieles mehr. In den letzten 15 Jahren hat sich viel verändert. Unser Anspruch nach Wohnraum ist gestiegen, der Verkehr hat zugenommen, die Verkehrsgewohnheiten sind anders geworden. Wir haben mehr Bedarf für Gewerbe- und Arbeitszonen.

In welche Richtung soll sich die Stadt Thun entwickeln und– welche Ziele stehen im Zentrum?

In den Legislaturzielen 2015 bis 2018 setzt der Gemeinderat fünf Schwerpunkte: Thun als Wohn- und Lebensstandort, als Stadt am Wasser und als Zentrum stärken, den Verkehr optimieren und die Stadt zusammen mit einer engagierten Bevölkerung entwickeln. All diese Themen werden bearbeitet.

Die Bevölkerung soll sich an der Ortsplanungsrevision aktiv beteiligen. Wie kann ich mich informieren und einbringen?

Nebst den bekannten Kommunikationskanälen über die Medien, Thun! Das Magazin und öffentliche Informationsveranstaltungen werden wir gezielt auf die Bevölkerung zugehen. Interaktive Plattformen im Internet, Fragebögen, Ausstellungen und Workshops sollen dazu beitragen, dieses komplexe Projekt verständlich zu machen und die Bedürfnisse der Bevölkerung und Betroffenen bereits im Erarbeitungsprozess abzuholen. Gezielt werden wir Bevölkerungsgruppen, Organisationen und Parteien beiziehen.

Wann wird die Bevölkerung nächstes Mal etwas von der Ortsplanungsrevision vernehmen?

Vorerst finden sporadisch Informationsanlässe und Diskussionsforen statt – so präsentierten wir das Vorhaben Mitte Oktober an einer öffentlichen Veranstaltung des Architekturforums Thun. Weitere solche Anlässe werden folgen, zudem wird Anfang 2016 eine spezielle Internetseite für die Ortsplanungsrevision aufgeschaltet. Stark einbezogen wird dann die Bevölkerung anlässlich der Erarbeitung der Teilprojekte und danach wieder im Rahmen der grossen öffentlichen Mitwirkung im Jahr 2018.

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